7 Schöpfer und Schöpfung
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Kapitel 7 „Schöpfer und Schöpfung“ zeigt die vielfältigsten Erscheinungsformen der Schöpfer-Gottheit in ihrer Schöpfung auf und erläutert, wie von diesen verschiedensten Gottes-Eindrücken zur tiefsten Erkenntnis des all-umfassenden göttlichen Liebeswesens, Seiner ureigentlichsten Natur, vorgedrungen werden kann.
Eingangs verheißt Christus, sich Seinem Schüler in all Seinen Entfaltungen offenbaren zu wollen. Beständig durchstreift das Herz Gottes die ganze Welt nach Seelen, die nach dem rechten Weg fragen. Doch nur wenige findet es, noch weniger, die Vollkommenheit in vollendeter Erkenntnis erlangen. Meist bleibt die Erkenntnis Gottes sehr bruchstückhaft.
Christi Ruach ist die alldurchwaltende Kraft, die beständig durch unterschiedlichste Kraftwirkungen schöpferisch am Umgestalten der gesamten Schöpfung ist. Jede Seele gründet in ihren letzten Tiefen in dieser Gottheit Christi.
Eine Seele, die diese ihre innerste Verbundenheit mit der Allgegenwart erspürt und in sie eindringt, wird zugleich in höchste Höhen gehoben, jenseits von Raum und Zeit, und kann Einblicke nehmen in alle Zeiten und Räume – wie es viele Seher und Propheten bekundet haben.
Die als kosmisches Prinzip alles durchwaltende Kraft der siebenfachen Ruach, die sich in alle Räume und Zeiten erstreckt, ist jedoch nur die niedere Natur der Gottheit. Gottes höhere Natur ist Sein personenhaftes Sein, das an allem teilnimmt, in allen Geschöpfen mit-sieht, -hört und -fühlt und alles versteht, wenngleich deren Regungen und Bewegungen nicht Ihre ureigensten Gedanken, Gefühle und Taten sind. Christus versteht zwar alle Wesen, weiß Er doch darum, was sie zu dem hat werden lassen, was sie sind, so dass Er kein Wesen verachtet und verdammt; jedoch leidet Er unsäglichen Schmerz an der Verlorenheit Seiner Geschöpfe und sehnt sich nach ihrer Heimholung und Heilwerdung. Dies ist das höhere Wesen der Gottheit.
Die untere göttliche Natur der Gottheit ist Ihre innere Wesens-Gesetzmäßigkeit, die alles Karma wirkt, das im Eigentlichen aber ein Dharma ist, weil alles Karma der Läuterung zum Heil hin dient. Das höhere Wesen der Gottheit ist die Liebe, die sich spiegelt im dornengekrönten Antlitz Jesu Christi. Hier kommt die göttliche Liebe zur Vollendung. Sie ist der alles bestimmende Urgrund allen Seins.
Gott ist der Inbegriff und die Essenz allen Seins: Er ist der Geschmack im Wasser, die Leuchtkraft der Gestirne, der Geist in toten Buchstaben, der Klang im Äther, die Zartheit aller weiblichen Wesen und Manneskraft aller männlichen Wesen, die Sinnesfreude sowie die Kraft, sich von äußeren Einflüssen lösen zu können.
Er ist auch der Same in allem Gezeugten, denn wo Er bei einer leiblichen Vereinigung nicht eine Seele zur Wiedergeburt einsenkt, entsteht kein neues Leben. Unfruchtbare müssen dies anerkennen. Wem es gelingt, diese aufgezwungene Entsagung zu akzeptieren, darf Zeuger unsterblicher Wieder-geburten werden.
Schließlich ist auch ein eigener Sprössling eine Seele, die nicht ihren Eltern entstammt, sondern schon viele Leben durchlebt hat und ihnen anvertraut worden ist. So unterscheidet sich die Seele eines auf Zeit anvertrauten leiblichen Kindes, das umsorgt werden will, im Grunde nicht von anderen bedürftigen Seelen, die man als Kinder in seine Obhut nehmen kann. Wer aber ein bedürftiges Wesen, ob nun Mensch oder Tier, aufnimmt, der nimmt Christus auf, der in ihnen allen lebt und sich nach Umsorgung sehnt.
Und mancher, der sich nach der Zeugung geistlicher Kinder ausgestreckt hat, ist dann schließlich auch noch mit leiblichen Kindern beschenkt worden, wovon viele biblische Erzählungen Zeugnis geben – wie die um die lange ersehnte Geburt des Propheten Samuel, oder die des Johannes des Täufers, der die Wiedergeburt des Propheten Elia war, wie die der Maria, der Mutter Jesu, aber vor allem die des Isaak, der dem Abraham und seiner Frau Sarah in ihrem hohen Alter noch geschenkt wurde. So wurden oft gerade die, die so lange auf ein Kind warten mussten, mit ganz besonderen Kindern gesegnet und beschenkt.
Es ist nicht selten so, dass Gott mit der Erfüllung eines sehnlichen Wunsches gerade darum so lange auf sich warten lässt, um für den Empfang eines noch weit größeren Geschenkes erst innerlich reifen zu lassen – mitunter auch über ein Leben hinaus, so dass der Wunsch erst im nächsten Leben erfüllt wird.
Wiewohl der Mensch in ganz besonderer Weise Abglanz und Ebenbild Gottes ist, so ist er doch keineswegs dessen einzige Spiegelung. Dies suchte Christus durch vielfältige Gleichnisse zu verdeutlichen, in welchen Er die Abba-Gottheit, Ihr Wesen, Ihre Kraftwirkungen mit irdischen Erscheinungen und Wesen – auch aus der Tierwelt – verglich.
Im Folgenden werden Naturerscheinungen als Gleichnisse auf Christus gedeutet: die Passionsblüte, die das Liebeswesen und Leiden Christi in ihrer Gestalt kündet, die Bienenkönigin, die ihr im Herbst ausgestorbenes Volk im Frühling durch die Eier, die sie gelegt hat, wiedererweckt, der Hengst, der alle seine Stuten befruchtet, um sich in ihnen Nachkommen zu schaffen, wie Christus alle Seine Bräute in allen Religionen, der Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert, die Sonne, die Jahr für Jahr die Wiedergeburt allen Lebens in der Natur bewirkt, die zuerst von Echnaton, später von den Römern als Abglanz der höchsten Gottheit verehrt und schließlich mit Christus identifiziert wurde.
Es gibt verschiedene Geister, die als Gemütszustände die Menschen beherrschen: Tamas täuscht die Sinne und bindet an das Oberflächliche, Vordergründige, als sei dies das Einzige, Eigentliche; Rajas treibt in angst-besetzte und furcht-bestimmte fanatische Zwanghaftigkeit; Sattwa schließlich ist der Geist Gottes, der freisetztende Erkenntnis wirkt. Da Christus erhaben ist über die ersteren Gemütszustände, kann Er von jenen, die von diesen beherrscht werden, nicht wahrgenommen werden.
Übeltäter gelangen nicht zu Christus: Sie sind am weitesten von Seiner Erkenntnis entfernt, stehen noch ganz am Anfang ihrer Pilgerschaft, die sich über viele Wiedergeburten erstreckt, und gleichen – noch gänzlich den unteren animalischen Trieben ausgeliefert und von selbst-süchtiger Ich-Haftigkeit bestimmt – bislang nur den unvernünftigen wilden Tieren.
Unter denen, die schon den rechten Pfad zum Leben eingeschlagen haben, gibt es verschiedene Grade und Arten des Gotteswandels: solche, die unter den widersinnigen Zuständen in der Welt leiden, solche, die für Gerechtigkeit eintreten und kämpfen, solche, die sich auf die Gottessuche begeben haben, und solche, die Gott gefunden, Seine wahre Natur erfasst haben.
Letztere haben die Gottheit als Liebe erkannt, die allem innewohnt, und erkennen auch alle Wesen in ihrer eigentlichen Bestimmung als Kinder der Liebe. So begegnen sie selbst auch allem ihnen entgegenschlagenden Hass mit Liebe, weil sie wissen, dass jene, die hassen, im Grunde tun, was sie hassen, und noch nicht in ihrem eigentlichen Wesen angekommen sind. Für die Erleuchteten ist alles Liebe; darum können sie alles lieben.
Viele, die in ihrer Erkenntnis aber noch sehr eingeschränkt sind, halten ihre Gottesvorstellungen für die letzte Erkenntnis und setzten ihre Gleichnisse und Bilder absolut. So werden ihnen diese Gegenstände göttlicher Verehrung mehr zum Hindernis als zu einem Wegweiser hin zur wahren unendlichen Gottheit. Dennoch gebraucht Christus all diese Götterbilder, um sich von denen, die Ihn in kindlicher Einfalt suchen, finden zu lassen. Denn wo immer eine Seele aufrichtig sucht, wie widersinnig sie sich dabei auch anstellen mag: – Das hat der Herr bei sich selbst geschworen! – da lässt Er sich auch finden.
Gleichwohl erlangen die, welche von ihren eingeschränkten Göttern nur Nichtiges begehren, nicht mehr als das, was sie erbitten, bis sie erkennen, dass dies noch nicht das Wahre, Eigentliche sein kann. Welche nur eine bessere irdische Wiedergeburt erstreben, werden auch nicht mehr erhalten und so im Kreislauf des irdischen elenden Daseins verbleiben; und die nur in die unteren Himmel ihrer eigenen Götter aufsteigen, werden irgendwann erkennen, dass dies auch nicht schon der letzte Himmel sein kann.
Die Glaubens-Toren, die noch wenig geistliche Einsicht besitzen, schränken die universale Gottheit auf ihre bisher erhaltenen Offenbarungen und ihre bislang gewonnenen begrenzten Gottesvorstellungen ein; sie erkennen nicht, dass Christus nochmals viel größer, unendlicher und über ihre bisherigen Einsichten noch weit erhabener ist. Damit sperren sie sich gegen weitreichendere Selbst-Enthüllungen der Gottheit. Dies gilt auch für die Christen, die zwar in Jesus Christus die tiefste, absoluteste Ikarnation der Gottheit haben, jedoch bei allem doch nur Gott in der Ent-Äußerung, so dass sich Sein unendliches Wesen und Wirken keineswegs auf diese Offenbarung beschränkt.
Indem sie den universalen Christus aber auf den irdischen Jesus beschränken, werden sie auch Seiner Botschaft und der Bandbreite Seiner Offenbarung nicht gerecht, erklärte Er doch, dass Er auch unter den Heiden und ihren Religionen wahrhaft Gläubige gefunden habe – etwa in dem römischen Hauptmann oder dem Samariter, der in seiner Barmherzigkeit Gottverbundenheit bewies, obwohl jene nach jüdischer Auffassung ein dämonisch irregeleitetes Gottesbild hatten.
Weiter erklärte Christus, dass sich an Seinem Tisch wohl Gläubige aus allen Himmelsrichtungen und Religionen einfinden würden, während vermeintlich rechtgläubige Juden, wie auch Christen, außen vor bleiben würden, weil sie Ihn nur Seinem Namen nach kennen und bekennen, jedoch nicht in Seinem grenzenlosen, universalen Liebeswesen erfasst haben.
Sein über allen erhabener Name nämlich steht als „DER“ (eigentliche, erste und letzte) Name aller Namen über und hinter allen Namen und kann darum in vielen Gottesnamen gefunden werden. Der Name „Jesus“ heißt nichts anderes als „Gott hilft“, was Christus jedes Wesen – ungeachtet seiner Religion und seiner Gottesvorstellung – erfahren lässt, das darauf vertraut. Denn Seine Worte, niemand käme zum Vater denn durch Ihn, meinten nicht, Gottesverbundenheit sei an das Bekenntnis an Ihn gebunden, sondern, dass, wo immer ein Gläubiger zum liebenden göttlichen Vaterherzen fände, dieses gütigste Abba-Herz jenem durch Christus geoffenbart worden ist.
Der Missionsauftrag hatte lediglich den Sinn, den Gläubigen anderer Religionen das „Ja“ und das „Amen“ auf ihre Hoffnungen auf Gott zu bringen, das in Jesus geoffenbart worden ist. Wie Christus die Bestätigung der jüdischen Religion und ihres Gottes war, so auch die aller anderen Religionen und ihrer Götter. Und wie viele Juden vor und außerhalb der expliziten Christus-Offenbarung sehr wohl Zugang zu der göttlichen Liebe hatten und haben, so auch die Gläubigen in anderen Religionen.
Nachdem Christus ein für alle Mal nach dem Fleisch gestorben und als gestaltloser, total entgrenzter Geist erstanden ist, ist Er nicht allein in Seiner einen irdischen Erscheinung zu finden, in der Er sich den Menschen mitgeteilt hat. Entsprechend zeigte Christus sich nach Seiner Auferstehung Seinen Jüngern in vielfältigsten anderen, neuen Gestalten, um ihr Christus-Verständnis zu weiten: als Gärtner, Pilger, Engel, Gottheit, in zerteilten Feuerzungen, als Löwe, als Lamm.
Sollen andere Religionen Christus als Wahrhaftigen erkennen, so darf ihnen nicht abgesprochen werden, was auch in ihren Religionen an Wahrhaftigem aus dem Wahrhaftigen ist. Gott in Seiner Unendlichkeit kann von niemandem vollends erkannt werden. Die Christen sollten wissen, dass Er nunmehr im Geist alles erfüllt und darum überall zu finden ist – auch in anderen Religionen. Sie können Anders-Gläubigen nur dann ihre Gottes-Einsichten nahe bringen, wenn sie ebenso die Bereitschaft zeigen, sich deren Gottes-Eindrücken zu öffnen.
Der Erleuchtete erkennt hinter allen oberflächlichen Widersprüchlichkeiten den doch auf das Heil aller universal hinwirkenden Liebesgeist Christi, der sich auf vielfältigste Weise mitteilt und finden lässt. Wer Christus so erkannt hat, der weiß sich mit allen immer und überall sicher geborgen in der unendlichen göttlichen Liebe.
→ zum Original-Kapitel VII in der »Satya ›P‹raha«
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